Obacht heut ist Rauhnacht( Losnacht)
Der Dezember beginnt gleich mit einem Unglückstag. Wer am 1. Dezember geboren ist, so hieß es früher, stirbt früh eines bösen Todes. Nach altem Volksglauben ist einst Sodom und Gomorra versunken.
Deshalb ist man froh, wenn dieser Tag vorbei ist und in drei Tagen schon der Barbaratag winkt, an dem man Barbarazweige pflückt und in der warmen Stube in eine Vase mit Wasser stellt, auf dass sie an Weihnachten blühen.
Kaum jemand denkt dabei daran, dass die heilige Barbara neben diesen hellen auch dunkle Seiten aufzuweisen hat.
Barbara, die in Nikomedia als Tochter reicher und vornehmer Eltern auf die Welt gekommen ist, schien ein unbeschwertes Leben vor sich zu haben.
Doch als sie zu einem schönen Mädchen herangewachsen war, schloss sie ihr Vater Dioscorus, wenn er auf Reisen ging, eifersüchtig in einen Turm ein, da er fürchtete, sie sonst bald an einen jungen Burschen zu verlieren.
In der Einsamkeit wandte sich das Mädchen von den Göttern ab, an die ihr Vater glaubte, und bekehrte sich zum Christentum.
Als dies ihr Vater erfuhr, schleppte er sie an den Haaren zum Richter Martiano, der sie grausam mit brennenden Fackeln foltern, ihren Leib mit scharfen Scherben einreiben und ihr die Brüste abschneiden ließ.
Aber Barbara ließ von ihrem Glauben an Gott nicht ab.
Im Jahre 306 wurde sie dann von dem eigenen Vater enthauptet.
Nach ihrem entsetzlichen Ende braute sich ein furchtbares Gewitter zusammen und Blitze erschlugen den grausamen Vater.
Es wundert uns also nicht, das auch die Nacht vor dem Barbaratag eine unheimliche Los- und Schicksalsnacht ist, in der man in die Zukunft schauen kann.
Wer um Mitternacht an einer einsamen Kreuzung lauscht, könne hören was er im kommenden Jahr zu erwarten habe.
