Die lange Agnes

In einigen Gegenden im Bayerischen Wald geht eine schreckliche Sagengestalt um, die die lange Agnes genannt wird. Man findet sie vor allem zwischen Ayrhof und Viechtach und rund um Furth im Wald. Die lange Agnes soll eine dürre alte Frau mit zerzausten langen schwarzen Haaren sein, sie wird oft an Gewässern wie Bächen oder Flüssen gesehen. Dort wäscht sie Wäsche oder kämmt ihre Haare. Wer sie anspricht, den zieht sie ins Wasser und ertränkt ihn elendiglich. Auch erzählt man sich, dass sie Männern, die zu spät vom Wirtshaus heimgehen, auflauert und sie dann mit ihren Fingernägeln und ihrem Kamm blutig kratzt. Die Menschen in diesen Gegenden hatten früher viel Angst, wenn sie des Nachts über Brücken gehen mussten, weil sie glaubten, die Agnes lauert unter der Brücke und schnappt sie, wenn sie die Brücke überqueren.

Laut einer alten Sage soll die lange Agnes früher, als sie noch ein menschliches Wesen war, eine sehr reiche, eitle und geizige Frau gewesen sein, die sich nur um ihr Aussehen gekümmert hat und die armen Menschen verspottete. Als sie starb, kam sie nicht ins Himmelreich, sondern musste auf der Erde umgehen, bis sie ihr altes Leben bereut hatte.
Oft liegen dann neben den Bächen und Flüssen zerrissene Tiere. Diese, so glaubt man, sollen von der langen Agnes gefangen und getötet worden sein.
In der Nacht kann man in diesen Gegenden oft ein schreckliches Gekreische an den Gewässern hören. Dies soll die lange Agnes sein, die auf ihre Opfer lauert.
Auch gibt es eine Sage, in der die lange Agnes um Semmeln bittet, diese sollen ihr auf dem Rückweg mitgebracht werden. Wer ihr keine mitnimmt, den zieht sie ins Wasser und ertränkt ihn. Wer ihr aber welche mitnimmt, den lässt sie mit einem „Vergelts Gott“ passieren….